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8. Oktober 2019

Qualität vor Kosten

Gesundheitsthemen sind zurzeit in aller Munde. Im Vordergrund der Diskussionen stehen dabei oftmals die zu hohen Krankenkassenprämien und Medikamentenpreise. Doch was denkt die Bevölkerung dazu?

Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der besten aber auch das zweitteuerste weltweit. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Bevölkerung. Insbesondere im laufenden Wahljahr hat sich die Gesundheitspolitik nebst dem EU-Rahmenabkommen und dem Klimaschutz als eines der wichtigsten Themen herauskristallisiert. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie die Bevölkerung darüber denkt. Was ist ihre Haltung zu den Gesundheitskosten? Welche Anpassungen in der Gesundheitspolitik stossen auf Akzeptanz und welche nicht? Und was kann unternommen werden, damit das Gesundheitswesen langfristig finanzierbar bleibt? Diesen und weiteren Fragen gingen die Zürcher Handelskammer und Interpharma im Rahmen einer Abendveranstaltung am Mittwoch, 2. Oktober 2019 nach.

Krankenkassenprämein werden als Problem wahrgenommen

Sowohl Regine Sauter, Direktorin der Zürcher Handelskammer und Nationalrätin FDP, als auch René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma, waren sich einig, dass die Krankenkassenprämien für die Bevölkerung ein Problem darstellen. In der Wirtschaftsregion Zürich sehen gemäss des Gesundheitsmonitors 49% der Bevölkerung die Krankenkassenprämien als dauerhaftes oder gelegentliches Problem. Das ist 15% mehr als im Schweizer Durchschnitt. Auch die Medikamentenpreise werden von rund 70% der Bevölkerung als zu hoch empfunden. Es ist jedoch nicht zielführend, nur die Kostenseite in den Vordergrund der medialen und politischen Diskussionen zu rücken. Denn wenn die Qualität und die Kosten gegenübergestellt werden, gewichtet die Schweizer Bevölkerung die Qualität und den Nutzen viel höher als die Kosten. Sobald es um mehr als Bagatellen geht, steht die bestmögliche Behandlung und nicht die Kosten im Vordergrund.

Zugang zu neuen Medikamenten als wichtigstes Kriterium

Ebenso deutlich ist die Bevölkerung der Meinung, dass neue Medikamente und Therapien für alle zugänglich sein sollten. Dabei soll keine Obergrenze definiert werden und die Behandlung geht in jedem Fall vor. Gerade dieser breite und für alle gleiche Zugang zu innovativen Medikamenten ist derzeit nicht gewährleistet. In den letzten fünf Jahren hat sich die mittlere Dauer zwischen Zulassungsdatum und der Spezialitätenlisteaufnahme in der Onkologie fast verfünffacht. Auch Reto Weibel, Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für cystische Fibrose, erwähnte während der Veranstaltung, dass genau beim Vergütungsprozess Handlungsbedarf besteht. Wenn innovative Produkte zwar auf dem Markt sind, diese jedoch den Patientinnen und Patienten nicht zur Verfügung stehen, sei dies frustrierend. Dr. Bettina Balmer, Kinderchirurgin, entgegnete, dass nicht immer die neusten Medikamente die bestgeeigneten Therapien seien. Die Ärztin oder der Arzt muss gemeinsam mit dem Patienten evaluieren, welches Medikament zur Behandlung einer bestimmten Krankheit in Frage kommt.

Einig waren sich alle anwesenden Personen, dass das Schweizer Gesundheitswesen zwar einige Probleme aufweist und ein Reformbedarf besteht, es dennoch zu den besten Gesundheitssystemen weltweit gehört und deshalb nicht durch unüberlegte Regulierung gefährdet werden darf. Dabei weist Fridolin Marty, Leiter Gesundheitspolitik bei economiesuisse darauf hin, dass nicht nur bei den Medikamenten angesetzt werden muss, sondern dass alle beteiligten Akteure ihren Teil dazu beitragen müssen.

#Qualität und Zugang zu #Medikamenten sind der Bevölkerung wichtiger als Kosten im #Gesundheitswesen. @FridolinMarty @RBuholzer @zhk_ch @balmer_bettina http://bit.ly/2Mo87Vh #iph
Podiumsdiskussion am 2. Oktober 2019 im Hotel Widder
Podiumsdiskussion am 2. Oktober 2019 im Hotel Widder

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