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20. März 2019

Engagement bis auf die Spitze (2/2)

Im zweiten Teil des Interviews erzählt Prof. Borisch über die Herausforderungen im Bereich Public Health und was das Ganze mit einer Wanderung auf das Breithorn in Zermatt zu tun hat.

Fortsetzung Interview mit Prof. Borisch. Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier.

Seilschaft der Solidarität

«2008 habe ich mit einigen Freunden, viel Hilfe und tollen Sponsoren die Seilschaft der Solidarität für Brustkrebspatientinnen ins Leben gerufen», erzählt Prof. Borisch und verknüpfte so zwei ihrer grössten Passionen miteinander: Engagement in Sachen Brustkrebs und die Berge. «Von Anfang an hat mir die Symbolik der Seilschaft in Bezug auf eine Krebserkrankung gut gefallen», erinnert sie sich. Symbolisch für die individuelle und gesellschaftliche Solidarität bestiegen rund 100 Frauen aus 18 Ländern das Breithorn in Zermatt. «Wer das erste Mal mit einer Seilschaft einen hohen Berg besteigt, hat keine Ahnung, was ihm bevorsteht. Man weiss nur, dass es schwer wird, dass man gerne einen guten Führer an seiner Seite hat und Menschen, die einen begleiten», so Borisch. «Genauso ist es bei Krebs. Wenn man den Aufstieg geschafft hat, wirken die Kleinigkeiten im Tal auf einmal nicht mehr so wichtig – man betrachtet sie mit einer gewissen Distanz.» Am Abend des Bergaufstiegs fand ein Tischgespräch mit Ärzten, Politikern und Patientinnen statt, um beispielsweise über die Wiedereingliederung  in den beruflichen Alltag nach der Krebstherapie oder Stigmatisierungen des Brustkrebses zu sprechen. Denn längst nicht in allen Teilen der Schweiz – geschweige denn Europas – wird dieses Thema offen besprochen.

Ungleichheiten konfrontieren

Prof. Borisch sieht besonders auch in ihrer Funktion als CEO der Dachorganisation aller Public Health-Vereinigungen weltweit, dass Krebs ausserhalb unserer kleinen europäischen Welt noch ein viel grösseres Problem ist: Ganze 60 Prozent aller Neudiagnosen kommen aus Ländern ausserhalb der EU und können vielerorts nicht so behandelt werden wie hier. «Komischerweise hat man das Gefühl, dass Krebs eine Erkrankung der reichen Industrienationen ist. Das stimmt nicht.» Krebs habe man sogar schon in alten ägyptischen Mumien nachgewiesen, so Borisch. Mindestens genauso schlimm sind die Ungleichheiten im Wissenszugang oder auch im finanziellen Zugang, die direkt bei uns vor der Tür stattfinden. «Es sind vor allem die Ungleichheiten innerhalb von Ländern, um die wir uns kümmern müssen. Man kann in jedem Land Gegenden finden, in denen die gesundheitliche Situation so ist wie in einem Entwicklungsland. Hier muss man ansetzen.» Apropos Ungleichheit: Auch in Sachen Gender-Medizin sei man in der Schweiz «ein bisschen mittelalterlich», so Borisch. Nur ein Beispiel: Seit einigen Jahren können Mädchen sich gegen eine Form des Gebärmutterhalskrebses impfen lassen, der durch das HPV-Virus übertragen wird. Wer dieses Virus durch Geschlechtsverkehr überträgt? Jungen! Dass diese aber, wie in Skandinavien ebenfalls geimpft werden, sei bisher noch kein Thema. Wir merken – Prof. Borisch kratzt hier an der Oberfläche eines emotionalen Themas, mit dem Seiten gefüllt werden könnten.

Um in Sachen #Krebs weiterzukommen, braucht es vor allem eines: stabile politische #Rahmenbedingungen. Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit Prof. Borisch. (Teil 2/2) http://bit.ly/2Fq1bEU #iph
Prof. Borisch an der Universität Genf
Prof. Borisch an der Universität Genf

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